SV: hist-games: RE: Bolotoudou

Peter Michaelsen PMI at KM.DK
Fri May 12 14:29:30 PDT 2006


Dear Gareth Whittaker,

I must confess that I do not know a Sudanese game named Bolotoudou, but I have
found a description of a Senegalese game named Bolotudu, which may be more or less the same game.
I quote from Heinz Machatscheck: Stein um Stein. Exotik der Brettspiele, Berlin 1984, p.57:
"Aus Senegal stammt ferner das Brettspiel Bolotudu, das man ebenfalls entweder auf einem farblosen 30-Felder-Brett (6x5), mit Hilfe eines auf Papier oder Pappe, oder auch einfach in den Wüstensand gezeichneten Spielplanes, oder irgendwo am Badestrand spielen kann. Der Spielplan ist derselbe wie bei der senegalesischen Dame. Doch gehören nur je 12 weisse und schwarze Spielsteine dazu, und man beginnt bei leerem Brett. Zunächst wird abwechselnd gesetzt, und zwar sind pro Zug gleich mit 2 Steinen 2 Felder zu belegen. Dabei dürfen in dieser Eröffnungsphase niemals 3 gleichfarbige Steine waagerecht oder senkrecht neben- oder "übereinander" angeordnet sein. Diese Aufstellung ist sehr wichtig und erfordert grosse Aufmerksamkeit, gutes Überlegen; denn darin liegt das Unterpfand für den späteren Erfolg.
Bolotudu trägt Züge unseres Mühlespiels. Sind alle Steine gesetzt, beginnt das abwechselnde Ziehen, diesmal immer nur mit e i n e m Stein. Wem dabei eine Bolotudu gelingt, dass heisst 3 seiner Steine horizontal oder vertikal in eine Reihe zu bringen (wie in unserem Mühlespiel), der darf einen an diese Bolotudu angrenzenden gegnerischen Stein vom Brett nehmen. Grenzt kein Stein an diesen Dreier, hat der Mühlenbauer Pech gehabt. Das Hin und Her geht so lange, bis ein Spieler nur noch 2 Steine hat und infolgedessen keine Bolotudu mehr bauen kann.
Nachstehend eine Übungspartie zum Bolotudu. Zunächst absolvieren die Partner die Eröffnungsphase mit dem Setzen der Steine, wozu immer 6 Doppelzüge benötigt werden; dann sind nämlich alle 24 Steine (ein-) gesetzt.
Weiss - Schwarz: 1. e1, d1/e2, e3 2.b3, c3/b2, c2 3. c4, d4/a4, b4 (es fragt sich, ob dieses Nebeneinandersetzen der Steine mit dem Gedanken, den dritten Stein später beim Ziehen hinzufügen und eine Mühle bilden zu können, immer günstig ist. In der jetzt entstandene Position zum Beispiel nutzt Weiss die ungünstige Stellung des schwarzen Paares auf der e-Linie aus: das Feld e4 darf in der Eröffnungsphase, weil sonst eine Mühle entstünde, von Schwarz nicht besetzt werden. Wenn Weiss dann das Ziehen beginnt, hat es gleich im 1. Zug eine Mühle) 4. d5, e5/c5, e6 5. d2, c6/a1, b6 6.a2, b1/c2, d6. Das Eröffnungsstadium (bereits mit Verluststellung für Schwarz) ist abgeschlossen, mit dem Ziehen hebt nun das Mittelspiel an. Unsere Partie könnte folgenden weiteren Verlauf nehmen (der Bindestrich bedeutet "zieht nach", der Doppelpunkt "schlägt", M "Mühle"):
7. e5-e4M:c2 c5-b5M:c6 8. d2-c2M:b2 b6-c6M:a2 9. b3-b2M:b5 b4-b5 10. c2-c1M:b5 Schwarz gab auf. Weiss gewinnt mit seinen Mühlen leicht die 5 einzelnen Steine a1, a4, d3, e2 und e3, dann müsste Schwarz seine einzige Mühle öffnen und hätte nach einer weiteren unvermeidlichen Stein-einbusse nur noch 2 Steine, was da Aus bedeutet. Es würde Weiss auch nicht schwerfallen, den Gegner zu "ersticken", das heisst so einzukreisen, dass er nicht mehr ziehen kann.
Abschliessend noch ein Hinweis: Es ist vorteilhaft, in der Partie auf eine Zwickmühle Kurs zu nehmen, und zwar 2 Gruppen von Steinen so aufzustellen, dass der "dritte gemeinsame" zwischen ihnen wie ein Weberschiffchen hin und her pendelt: Mit dem Öffnen der einen Bolotudu wird gleichzeitig die andre geschlossen und jedesmal - ein gegnerischer Stein kassiert.
Angenommen, die Steine stehen (leeres Brett, Abb.34) auf b2, c2, a3, a4, a5, dann erhält man nach a3-a2 die Mühle a2-b2-c2 und eine weitere nach a2-a3, und auf diese Weise geht es immer hin und her. In der Stellung a2, b2, c2, a1, c1 wäre b2-b1-b2 der "Mahlstein"."

As shown by this description, Bolotoudou is not just a version of Nine Men's Morris, but it belongs to the same family of alignment games. There are many other alignment games similar to Bolotoudou in various parts of Africa, e.g. "Dara". 
Nine Men's Morris boards have been found in Egypt. The dating of these boards is disputed. I have seen a claim that the earliest Nine Men's Morris boards which can be dated with certainty are those found at the Gokstad ship in Norway and in Toftanes on the Faroe Isles, dating from c.900.
The game was probably much older, however. In Lothal, an important trade centre in India c.2000 B.C., a terracotta game board with a pattern similar to that of Nine Men's Morris has been found.
This 4000 years old game board is shown in a diagram in S.R. Rao: Lothal - A Harappan Port Town, vol.II, New Delhi 1985, p.502-510.

I do not know why Caillois' English translator thought that this game was analogous to tipcat.
Like Nine Men's Morris, Tip-Cat (and its close relatives) is found in large parts of the world, from Iceland to Siberia, and from Spain to India. Tip-cat like sticks from Ancient Egypt (late Middle Kingdom) have been found during excavations (W.M. Flinders Petrie: Objects of daily use, British School of Archeology in Egypt, London 1927, repr.174: p.58 and 336-338).

I have not seen any evidence of "Moulin" being used as a French name of tipcat.
"Moulin" is sometimes used as another name of French "marelles" or "mérelles", see Arie van der Stoep: Draughts in relation to chess and alquerque, Hooge Zwaluwe 2005, p.151, note 40 for further information with references. 

I hope this information might be useful for you.

Peter Michaelsen.

-----Oprindelig meddelelse-----
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[mailto:hist-games-bounces at www.pbm.com]På vegne af Gareth Whittaker
Sendt: 28-04-2006 19:46
Til: hist-games at www.pbm.com
Emne: hist-games: RE: Bolotoudou


Does anyone know anything about the Sudanese game Bolotoudou? Is it just a
version of Nine Men's Morris? If so are there theories about how it got to
Sudan and when? And why did Caillois' English translator think it was
analogous to tipcat? Is "Moulin" a French version of tipcat or of Merelles?

Thanks for any help.

Gareth Whittaker
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